• 10.11.16

    WEITERE INFORMATIONEN VOGELGRIPPE

    Österreich, Schweiz und Deutschland:

    Am Freitag, 04.11.2016, wurden 4 tote Reiherenten und eine Tafelente im Bodenseegebiet in  Vorarlberg gefunden. Die Untersuchung ergab H5N8. Seit dem Wochenende  wurden am Bodensee bereits über 100 verendete Wildvögel aufgefunden. Auch in Deutschland und in der Schweiz wurden am Bodensee tote Wildvögel aufgefunden. Entsprechende Maßnahmen werden koordiniert. Auch in Schleswig Holstein bei den Plöner Seen wurde H5N8 in Wildvögeln – Reiherenten, Blässhühner, Möwen, Gänse, Schwäne – bestätigt. Tiere in Freilandhaltung müssen landesweit aufgestallt werden und darf vorübergehend nicht verbracht werden (Sperrbezirk: 21 Tage; Beobachtungsgebiet: 15 Tage). Die Bestände im Sperrbezirk müssen regelmäßig klinisch untersucht und es müssen Proben genommen werden. Zudem gelten strenge Biosicherheitsmaßnamen (Stallhygiene, Reinigung, Desinfektion). Zudem können Greifvögel und andere Vögel infizierte Tiere fressen und so das Virus weitertragen.
     

    Ungarn, Kroatien und Polen

    In einem tot aufgefundenen Höckerschwan in Ungarn nahe Szeged (Komitat Csongrad) wurde  H5N8 nachgewiesen. Ebenfalls in Ungarn (Komitat Bekes, nahe der Rumänien) wird in einer Mastputenherde (Indoorhaltung) mit 10.200 Tieren H5N8 bestätigt. Die Herde wurde bis 3. 11. gekeult. Restriktionszonen mit 3 und 10 km wurden gemäß Entscheidung der Kommission 2006/462/EG eingerichtet.

    Auch in Kroatien wurde bei zwei Wildvögeln H5N8 in nachgewiesen.  

    Polen berichtet über den Fund von ca. 50 toten Wildvögeln am Dammschen See (Dabie lake). 5 untersuchte Tiere wurden positiv auf H5N8 getestet.

    Geflügelhalter sind zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen

    Aufgrund der massiven Häufung von bestätigten Fällen in Europa ist auch außerhalb der derzeit  betroffenen Gebiete erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Geflügelhalter angebracht. Wir weisen Geflügelhalter, insbesondere in der Nähe zu Freigewässern,  auf die Gefahrenlage hin und empfehlen dringend die Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Vorsichtmaßnahmen. Dazu gehören die strenge Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen  (= Maßnahmen, die helfen, Krankheiten nicht in Populationen, Herden oder Gruppen einzubringen, in welchen sie noch nicht existieren oder die Weiterverbreitung innerhalb der Populationen, Herden oder Gruppen zu beschränken) und die Ausschlussdiagnostik von Geflügelpest bei unbekannten Krankheitsgeschehen im Bestand.

    Die Aviäre Influenza kann in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten:
    Die niedrigpathogene Form (LPAI) oder die hochpathogene Form (HPAI), die Geflügelpest. Die hochpathogene Form unterliegt sowohl bei Wildvögeln wie auch beim Hausgeflügel der Anzeigepflicht und wird durch die Maßnahmen der Geflügelpest-Verordnung bekämpft.

    Wem tote Wasservögel auffallen, sollte sich an die zuständige Behörde wenden. Tote Tiere sollten nicht angefasst werden, Hunde müssen in den betroffenen Gebieten nahe dem Wasser angeleint werden.

    Auch die Hygieneregeln im Umgang mit und bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten müssen beachtet werden. So müssen Geflügelgerichte gründlich durchgegart werden, rohes Geflügelfleisch ist getrennt von den übrigen Lebensmitteln aufzubewahren und Küchengeräte sind zu reinigen.

    Bekämpfung der Geflügelpest (AI) in Österreich

    Gesetzliche Grundlagen

     

    • Geflügelpest-Verordnung (BGBl. II Nr. 465/1995)

    • Geflügelpest-Biosicherheitsverordnung 2006 (BGBl. II Nr. 189/2006 idF BGBl. II Nr. 211/2006)

    • HPAI-Wildvogel-Geflügelpestverordnung 2006 (BGBl. II Nr. 404/2006).

    Geflügelpest-Biosicherheitsverordnung 2006

     

    Meldepflicht für Geflügelhalter (§ 1)

    Die Haltung von Geflügel und anderen Vögeln ist bei der zuständigen Bezirksverwaltungs-behörde binnen einer Woche zu melden. Ausnahmen:

     

    • Haltung von Ziervögeln in geschlossenen Räumen, ohne Kontakt zu anderen Vögeln

    • Tierhaltungen, die bereits gemeldet wurden (Geflügelpest-Risikogebiets-VO 2006, AMA, Tierkennzeichnungs-Registrierungs-VO 2003, Geflügelhygiene-VO 2000, Amtliches Legehennenregister, Mitglieder des QGV)

      Regelungen für Veranstaltungen (§ 2)

    • Tierausstellungen, Märkte, Tierbörsen und sonstige Veranstaltungen bei denen Geflügel oder andere Vögel getauscht, gehandelt oder vorgeführt werden sowie Vogelflugwettbewerbe

      • Meldung spätestens eine Woche vor Abhaltung bei der zuständigen BVB

      • Unterliegen einer amtstierärztlichen Überwachung und Auflagen

    • Brieftaubenwettbewerbe

      Start und Ende nicht in Hochrisikogebieten (national und international) sowie kein Überflug der in Österreich festgelegten Risikogebiete

       

      Bedingungen zur Erlaubnis der Freilandhaltung

    • Trennung von Enten und Gänsen von anderem Geflügel - kein direkter und indirekter Kontakt

    • Fütterung und Tränkung im Stall oder Unterstand - kein Kontakt von Wildvögeln mit Futter und Wasser

    • Trennung der Ausläufe von Oberflächengewässern, an denen sich Wildvögel aufhalten

    • Abschirmung der Wasserbecken der Tiere gegenüber Wildvögeln

    • Keine Tränkung mit Wasser aus Sammelbecken für Oberflächengewässer zu denen Wildvögel Zugang haben

    • Besondere Sorgfalt bei Reinigung und Desinfektion

    • Tierärztliche Untersuchung der Tiere binnen 8 Wochen nach Wiederaufnahme der Freilandhaltung

    • Tote Wasservögel und tote Greifvögel sind der BVB (Bezirksverwaltungsbehörde) zu melden; ATA (Amtstierarzt) sendet Proben an NRL (nationale Referenzlabor, AGES-Mödling)

    • In Gebieten des Anhangs A - Freilandhaltungsverbot mit Ausnahme für best. Einzelfälle - Untersagung von best. Veranstaltungen bzw. Vorschreibung bestimmter Bedingungen (in Anhang A sind in der geltenden Fassung keine Gebiete benannt)

       

    Anzeigenpflicht des § 16 TSG

    Über die hinausgehend sind alle Betriebe in Risikogebieten dazu verpflichtet, folgende Anzeichen dem Amtstierarzt zu melden:

     

    • Abfall der Futter- und Wasseraufnahmen von mehr als 20%, oder

    • Abfall der Eiproduktion um mehr als 5% für mehr als zwei Tage, oder

    • Mortalitätsrate höher als 3% in einer Woche

    Quellen: AHO, Bundesministerium für Gesundheit und Frauen,  LK Österreich, Abt. IV/6 Tierschutz, Tierseuchen- und Zoonosenbekämpfung

    Geflügelpest = Vogelgrippe = Aviäre Influenza = (AI) Typ H5N8